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Ausstellung in Seebüll
Emil Nolde in Russland
Der „KulturSommer Schleswig-Holsein“ folgt traditionell dem Länderschwerpunkt des Schleswig- Holsein Musik Festivals. Für den „Russischen Sommer“ hat Ministerpräsident Peter Harry Carstensen die Schirmherrschaft übernommen. Im Mittelpunkt der vom Landeskulturverband koordinierten Veranstaltungsfolge stehen Ausstellungen in Kiel, Neumünster, Pinneberg,Marne, Glückstadt und Rendsburg.
Deren Thema ist meist die zeitgenössische Kunst. Wobei Kiel auch das aktuelle Schaffen in Helsinki und Tallinn einbezieht.
Analog dazu dokumentiertin der Jahresausstellung die Nolde Stiftung Seebüll „Emil Nolde – Zwischen Berlin und Russland“. Im Atelier- und Wohnhaus des Künstlers in der Abgeschieden- heit der Marsch nahe der dänischen Grenze sind rund 150 Arbeiten aus unterschiedlichen Werkbereichen und Schaffensphasen zu sehen: Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, „ungemalte Bilder und Grafik. Angeregt durch die erste Ausstellung „Nolde in Berlin – Tanz, Theater , Cabaret“ der Berliner Niederlassung werden eine Reihe von Aquarellen und Tuschpinsel-zeichnungen gezeigt, die im Winter1910/11 in Berlin entstanden sind und in denen sich der Künstler mit dem Nachtleben der Großstadt auseinander setzt.
Reizvoll ist Noldes künstlerische Umsetzung der Eindrücke, die im Herbst 1913 auf dem Wege in die Südsee während der Fahrt durch Russland auf den Bahnsteigen und in Wartesälen gewonnen hat. Nolde und seine Frau Ada waren für die Südseereise Mitglied einer „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea Expedition“ geworden. Deutschland hatte auf Neuguinea eine Kolonieerworben, die freilich kaum ein Jahr später bei Ausbruch des 1. Weltkrieges verloren ging. Auf dem Wege dorthin machte das Ehepaar Nolde in Moskau Station. Zwar sprachen die beiden kein Russisch, aber ein Student stand als Dolmetscher zur Verfügung und überdies fanden sie Anschluss bei einer der damals noch zahlreichen deutsch-russischen Kaufmannsfamilien. Die Weiterreise erfolgte auf der Transsibirischen Eisenbahn – dem „Sibirienzug“.
Der Zug hielt alle vier oder sechs Stunden auf einer Station. Nolde stieg aus und machte mit der Feder Zeichnungen seiner Eindrücke. Besonders gern, so hat der Künstler geschildert, sei er in die Wartesäle gegangen, wo er einzelnen oder mehrere Figuren heraus griff und zeichnete. Meist merkten die Leute gar nichts von seiner Arbeit.
Besonders beeindruckt haben ihn junge Mütter und deren Kinder Später hat er nach diesen Kindern Holzfiguren gearbeitet. Nolde müssen die Eindrücke in den Wartesälen – in denen „die Luft zum Schneiden dick“ gewesen sei – sehr fasziniert haben. Er habe immer sehr aufpassen müssen, dass „der Zug nicht weg fahre und ich mitten in Sibirien dauernd zeichnend sitzen bliebe“. Neben den in Berlin und Russland entstandenen Werken zeigt die diesjährige Jahresschauunter dem Motto „Die Landschaft um Utenwarf“ Aquarelle aus den Jahren 1920 bis 1925.
Die Ausstellung in Seebüll ist bis 30. November täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet.